NGZ 25.09.2021

Bruder Gereon (3.v.l.), erster Sozialarbeiter in Erfttal, wurde von Reiner Breuer, Philip Benning und Paul Petersen als Ehrengast begrüßt. Foto: Georg Salzburg (salz)

Neuss Der erste Sozialarbeiter erinnert zum Jubiläum an den Start der Gemeinwesenarbeit.
Von Christoph Kleinau

 

Im Oktober 1970 wurden in Erfttal die ersten beiden Hochhäuser bezogen, ein Jahr später lebten schon 735 Familien in dem am Reißbrett geplanten Ortsteil. Damals sei man so klug gewesen, erinnerte Bürgermeister Reiner Breuer am Freitag, die rasante Entwicklung nicht treiben zu lassen, sondern „gleich vor Ort eine Gemeinwesenarbeit sicherzustellen“. So kam der Sozialdienst katholischer Männer (SKM) nach Erfttal – und blieb.

Ein halbes Jahrhundert später ist der SKM mit seiner Jugendarbeit im Kontakt Erfttal, der Gemeinwesenarbeit im Bürgerhaus und der offenen Jugendarbeit der Streetworker eine unverzichtbare Größe im Ort, betonte der ehemalige Landtagsabgeordnete Heinz Sahnen bei der Jubiläumsfeier im Bürgerhaus. So arbeite er mit an der Aufgabe, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Sahnen gehörte zu den ersten Erfttalern und war damals einer von drei Erwachsenen, die bei der Sonntags-Disco im „Weißen Pavillon“ Aufsicht führten. Ein Angebot, dass es ohne Hans-Dieter Henkhues vielleicht nicht gegeben hätte. Der heute 79-jährige Bruder Gereon wurde als erster Sozialarbeiter nach Erfttal geschickt. „Der Zauber des Anfangs beflügelte mich“, erinnert sich der Canisianerbruder, der zur Jubiläumsfeier seinen Konvent in Kevelaer verlassen hatte und – zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert – wieder in Erfttal war.

Doch die ersten Erfahrungen seien ernüchternd gewesen, sagt er. Es habe riesige Probleme im Ort gegeben, den er als eine Wüste in Erinnerung hat. „Alles Schlamm.“ So seien auch Aggressionen aufgekommen und mächtige Proteste laut geworden, erinnert sich Bruder Gereon. „Augenmaß, Geduld und Gelassenheit waren gefordert“ – um das Ziel, eine Verbesserung der Lebensbedingungen, zu erreichen.

Das hieß für den Sozialarbeiter, der alleine auf seinem Posten stand, Klinken zu putzen, Kontakt zu suchen, kleine Schritte zu gehen. Erste Erfolge waren eine von Eltern betreute – und illegale, wie er sich erinnert – Not-Kita im SKM-Pavillon und die Schaffung von ersten Gemeinschaftsräumen in drei Hochhäusern. Als das Jugendzentrum „Kontakt“ 1978 entstand, war Bruder Gereon schon nicht mehr in Erfttal. Das Bürgerhaus folgte 1994.

Ohne die Arbeit des Canisianerbruders „stünden wir vielleicht heute nicht hier“, sagte der SKM- Vorsitzende Philip Benning. Er definierte Gemeinwesenarbeit als Arbeit in Gemeinschaft, die Hilfe zur Selbsthilfe leisten und nicht bevormunden will. Und die Raum gibt für ehrenamtliches Engagement. Bürgermeister Breuer hatte dem noch etwas hinzuzufügen: „Sie schaffen Heimat im Quartier“, sagte er in Richtung von Paul Petersen, dem Leiter des Bürgerhauses, samt Team.